Fotografie ist für mich mehr geworden, als ich anfangs dachte.

„Ich will Fotografin werden.“

Obwohl dieser Wunsch schon seit Jahren in mir schlummerte, fühlte es sich so stark an, ihn endlich auszusprechen. Ich sehe diesen Moment noch vor mir. Diesen Gedanken. Diesen Wunsch. Heute sind seitdem mehr als 20 Jahre vergangen. Jahre, in denen mich meine Kamera begleitet hat.
Jahre, in denen ich an so vielen Orten dachte: Hier könnte ein besonderes Foto entstehen.

Kennst du dieses Gefühl?

Ich habe Menschen durch verschiedene Lebensphasen begleitet.
Ich habe mein eigenes Leben fotografisch dokumentiert.
Und ich habe immer und immer wieder fotografiert. Und trotzdem musste ich erst wachsen. Es fühlt sich gerade seltsam an, das zu schreiben. Denn ein Teil von mir ist traurig darüber, dass ich so lange gewartet habe. Auf den für mich richtigen Moment. Auf den Zeitpunkt, an dem alles passt. Und auf den Mut, es wirklich zu wagen. Und während ich diese Zeilen schreibe, laufen mir Tränen über die Wangen. Denn ich hätte es früher tun können.

Warum habe ich so lange gewartet?

Aber ich weiß auch: Vor 20 Jahren hätte ich nicht mit der Tiefe fotografieren können, mit der ich heute fotografiere. Ich hätte noch nicht die Frau sein können, die ich heute bin. Vielleicht musste ich erst selbst durch vieles hindurch. Vielleicht musste das Leben mich erst lehren, hinzusehen. Nicht nur auf das, was offensichtlich ist.

Ich musste wachsen.

Wie das hässliche Entlein, das noch nicht weiß, dass es einmal ein Schwan sein wird. Und heute liebe ich mich. Wie gut es tut, das auszusprechen. Mit meiner Reife. Mit meinem Wissen. Mit meiner Weisheit. Mit allem, was ich erlebt habe. Mit allem, was mich geprägt hat. Und vor allem mit dem Wissen: Ich habe es gewagt. Ich bin losgegangen. Und alles, was noch kommt, darf kommen.

Denn genau das hat auch meinen Blick auf die Fotografie verändert.

Heute sehe ich nicht nur dein schönes Gesicht. Nicht nur Licht, Farben, Körperhaltung oder eine schöne Umgebung. Ich sehe den Menschen. Ich lese, wie du mir schreibst. Ich sehe, wie du reagierst. Ich höre, wie du sprichst. Ich nehme deine Art wahr. Und aus all diesen kleinen Dingen entsteht für mich ein Bild von dir. Von deinen Facetten. Von deiner Art. Von dem, was dich ausmacht. Von deinem Wesen und deiner Wirkung.

Jeder trägt das in sich. Bei manchen ist es stärker wahrzunehmen, bei anderen etwas leiser. Und genau deshalb muss ein Foto für mich wesentlich mehr sein als schön.

Es muss etwas von dir tragen. Etwas, das nur zu dir gehört. Denn wenn du bei mir bist, bringst du nicht nur dein Gesicht oder deine Geschichte mit. Du bringst dich mit. Und ich möchte dich sehen. Nicht so, wie man dich sehen sollte. Nicht so, wie ein Shooting aussehen „muss“. Sondern so, wie du gerade bist.

Ich weiß heute auch, dass die richtige Frage manchmal viel mehr verändern kann als eine Pose.

Ich möchte wissen, was du dir von deinen Bildern wünschst. Was du festhalten möchtest. Was dir wichtig ist. Was diese Zeit für dich bedeutet. Und wenn du dich darauf einlässt, kann daraus etwas entstehen, das sogar dich selbst überrascht. Denn dein Leben geht danach weiter. Du wirst dich verändern. Dein Leben verändert sich ständig – in kleinen Schritten. Und auch die Bedeutung dieser Bilder wird sich verändern. Du wirst dich eines Tages anders sehen als heute. Und du wirst etwas in den Bildern sehen, das du heute noch gar nicht erkennen kannst. Etwas, das ich während unseres Shootings bereits in dir gesehen habe.

Ich möchte nicht nur den Moment fotografieren.

Ich möchte fotografieren, was dieser Moment für dich bedeutet. Das, was du festhalten wolltest. Das, was dir wichtig war. Das, was nur dir gehört. Und vielleicht hältst du eines Tages dieses Bild in deinen Händen und siehst nicht mehr nur die Frau, die du damals warst. Vielleicht siehst du dann, wie stark du warst. Wie sehr du geliebt hast. Wie viel in dir passiert ist. Wie schön diese Zeit war, obwohl du mitten in ihr vielleicht gar nicht gespürt hast, wie besonders sie einmal für dich sein würde.

Deine Momente. Eure Momente

Dari